Freitag, 29. Mai 2009

Lister Blicke: Sparen

„Halte dir nie ein Landhaus, eine Zeitschrift oder eine Geliebte, es wird immer irgendeinen Trottel geben, der dies für dich erledigt.“ Nach diesem Ausspruch Balzacs lebe ich noch heute, einzige Ausnahme ist das Spiegelabo. So wies ich neulich unseren Nachbarn Stefan darauf hin, dass seine Außenleuchte am Haus defekt sei.
„Danke, aber woher weißt du?“
Ich erklärte ihm, dass wir ja an unserem Haus bewußt keinen Bewegungsmelder hätten, weil wir seinen mitbenutzen. Immer wenn wir uns unserer Haustür nähern, geht das Außenlicht unserer beiden Nachbarn zur Linken und zur Rechten an und beleuchtet unseren Eingang mit.

Ich bin ja nur froh, dass beide nicht so belesen sind und Balzac kennen!

Freitag, 27. Februar 2009

Neues von Püppi und Schatz

Nach der Doppelkopfrunde gestern Abend brauchte ich noch ein paar zappelnde Bilder. Irgendwann machte ich zum Lüften die Terrassentür auf und da war es wieder. Fast so schlimm wie die verschiedenen Stimmen aus dem russischen Horrorfilm, den ich gerade geschaut hatte. Unsere Nachbarn Püppi und Schatz hatten sich wieder beim Wickel. Und ich muss sagen, der Ton wird rüder: "Der Doktor hat ja gesagt, dass es so enden würde mit dir!" - "Du Sau!" - "Halts Maul!" - "Halts Maul, halts Maul, mehr fällt dir wohl nicht ein? Du Sau!"
"Jetzt ist endgültig Schluss damit! Die Mikrofone, die Du in meiner Wohnung versteckt haben. Ich weiß, dass die mich abhören.“ „Deine Wohnung, ich halte das nicht mehr aus!", rief Schatz durch die Nacht.
Unsere Nachbarn von gegenüber leiden also nicht nur an Exhibitionistischen Neigungen (warum brüllen sie sich sonst immer bei offenem Fenster an?) sondern jetzt auch noch an lehrbuchmäßiger Paranoia.
Was, wenn die beiden sich morgen mit ihrem Zwilling-Küchenmesser auflauern? Der Mikrofone wegen? Wenn sie sich etwas antut? Was tun?

Nachdenklich schlurfte ich zurück ins Wohnzimmer zu dem russischen Horrorstreifen.

Mehr zu Püppi und Schatz: http://nordlichtblog.blogs.com/hirnstromblog/2008/10/pppi-und-schatz.html

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Püppi und Schatz: Es ist ein Mann

Lange Zeit war es ruhig um Püppi und Schatz. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Püppi ist doch ein Mann.
Letzten Sonntagmorgen brüllten sich die beiden wieder lautstark an. Püppi war wohl den Abend vorher unterwegs gewesen, hatte anderen Frauen schöne Augen gemacht und wollte jetzt zum Sport gehen. Das passte Schatz nicht und so steigerten beide sich bis zum Stakkato. Es knallte und Sekunden später lief aus dem Haus gegenüber ein etwa 30jähriger Mann, Typ Proll-light, Sporttasche in der Hand, Zigarette im Mund, lautstark schimpfend stieg er in einen weißen BMW ein, der verbotenerweise auf unseren Gästeparkplätzen geparkt war. Diese neue weiße-Auto-Mode war mir ja sowieso schon lange suspekt. Minuten später war Püppi wieder da, mit dem Handy in der Hand telefonierte er mit Schatz und verkündete, dass er „für unsere Liebe“ auf den Sport verzichte. Schatz reichte das wohl nicht. Schatz reichte das Opfer wohl nicht, denn kaum war er oben in der Wohnung, brüllten die beiden wieder. Bis es erneut zu einem Krachen kam. Montagabend brüllte Püppi wieder bei offenem Fenster, er brüllte aber Monologe. Hatte er etwa am Vortag Schatz erschlagen?

Mehr zum Thema:

Schatz und Püppi

Ach Schatz

Mittwoch, 06. August 2008

Dunkle Stunden im Leben eines Eigenheimbesitzers

Wasserhahn Wir haben uns ja kurz nach unserem Einzug vom Klempner übers Ohr hauen und einen Wasserzähler im Garten installieren lassen. Damit wir einmal im Jahr das Gießwasser von der Wasser/-Abwasserrechnung abziehen lassen können. Dazu muss man jeden Monat ablesen und einmal im Jahr ein Formular ausfüllen, dann wird das Gießwasser von der Abwasserrechnung abgezogen.
Oder so.
Ein Besserwissernachbar (Realschullehrer, sic) rechnete mir kürzlich ungefragt und süffisant vor, dass sich das Ablesegerät bei den momentanen Wasserpreisen etwa nach 30 Jahren amortisiert haben werde. Dabei müsse man noch davon absehen, dass das Ding alle zehn Jahre geeicht werden muss (wer eicht denn? Und was kostet das?) und eigentlich jetzt schon rostet.
Leider hatte er recht und ich die Arschkarte. Auch der Hinweis eines Freundes, wir könnten uns doch einen Gartenteich zulegen, da müßte man jeden Tag hunderte von Litern nachfüllen, ergo amortisiere sich der Wasserzähler schneller… konnte mich nicht wirklich überzeugen. Um meine Niederlage zu kompensieren musste ich jemand anderem ein Leids tun. Ich machte also den Nachbarn, die sich einen Brunnen graben ließen klar, dass sich die 3000 Euro für den Brunnen wahrscheinlich erst für ihre Enkel lohnen würden, hähä. Ähnlich hart traf es den Nachbarn mit der Regentonne, der jetzt überlegt, wie er das Regenwasser eigentlich aus der Tonne auf den Rasen bringt. Und der außerdem feststellte, dass im Sommer, wenn man am dringendsten Regenwasser benötigt, die Regentonne meist leer ist. Obendrein mußte er jetzt noch ein Netz über die Tonne ziehen, weil drinnen ein unappetitlich aufgedunsenes, ertrunkenes Eichhörnchen dümpelte. Ein Ereignis, das er verständlicherweise nicht wiederholt haben wollte.
Demnächst werde ich dann wohl mit unserem Spindelrasenmäher eine Klimakampagne gegen die Elektromäher der Nachbarn machen. Dann klappts auch wieder mit dem Wasserzähler.

Montag, 14. Juli 2008

Lister Blicke am Wochenende

Wochenends quellen jede Menge Ausgeher und Rumsteher aus der Innenstadt zu uns raus. Die Tagestouristen tragen krasse Hütchen und tellergroße Sonnenbrillen auf den Köpfen, um die Hüften haben sie sich verrückte bunte Tücher geschlungen. Den Hund lassen sie endlich mal frei laufen und ihr Kind fahren sie im Kinderwagen vor sich her. Unterwegs schauen sie uns Vorortlern über die Spießerzäune, um mal zu sehen, wie grün und öd wir hier leben müssen, was eigentlich ein Dreikammerkomposter ist und wie man eine Regentonne aufstellt. Sie scheuen sich auch nicht einfach stehenzubleiben und diskutierend unsere klägliche Wohnsituation zu sezieren. Dann schreien sie ihren Hunden hinterher, die anfangen am Kanal Jogger zu verfolgen.

Derweil setzen wir uns wieder hinter unseren Spießerzäunen in die Liegestühle, klappern mit dem Kaffeegeschirr und tun, als würden wir die coolen Typen, ihre Hunde, Kinder und mitleidigen Blicke nicht bemerken. Es ist halt ein furchtbar banales Leben hier draußen.

Montag, 23. Juni 2008

Kann ein Mann "Püppi" heißen?

Am Samstag zum Frühstück auf der Terrasse gab es wieder Püppi und Schatz. Wir sind ein Stück weitergekommen, alldiweil wir jetzt wissen, dass Schatz im wirklichen Leben Steffi heißt. Nicht mehr so sicher sind wir, ob es sich wirklich bei beiden um Frauen handelt. Püppis Stimme kam am Samstag recht männlich rüber. Aber: Hat ein Mann als Kosenamen „Püppi“? Und ist ein Mann zu so lyrischen Wendungen fähig wie:“Du solltest dir schon einmal klarmachen, welcher Arsch dich wärmt.“

Mehr zum Thema:

Schatz und Püppi

Ach Schatz

Montag, 09. Juni 2008

Schatz und Püppi

Unser Paar von gegenüber heißt Schatz und Püppi. Das kam bei dem mächtigen Streit am Samstag heraus: „Püppi, wie kannst du nur unsere Liebe so riskieren?“ – Nein, Schatz, nein. Schatz hat eine ziemlich tiefe Stimme, was uns anfangs an einen Mann denken ließ.

Flagge gehißt

Deutschland Da ich den Fehler jetzt schon zum zweiten Mal gemacht habe und ein Freund, der es wissen muss, mich schon zum zweiten Mal drauf aufmerksam machte, hier nun die Korrektur.

Eine Fahne ist ein Unikat, ein reich ausgestattetes, oft besticktes, Einzelstück, das besondere Verehrung genießt. Deshalb kann sie auch nicht gehißt werden. Sie ist an einer Fahnenstange (zum Tragen) fest befestigt.  (z.B. Arbeiterverein, Gesangsverein, Schützenverein usw. Übrigens der Ursprung unserer Farben schwarz-rot-gold kommt von einer Fahne. Die der Jenaer Urburschenschaft von 1824 aus der später 1848 und 1919 und 1949 die Trikolore unserer Flagge wurde.)
Was ich im Atelierblick gehißt habe, ist eine Flagge, ein einfach gestaltetes Massenprodukt, das
mittels Leinen an einem Flaggenmast gehißt wird.

Freitag, 06. Juni 2008

Lister Blicke: Ach Schatz!

Heute Morgen mußte ich in der HAZ lesen, dass Mehmet, Mitarbeiter der Stadtwerke, Süleyman erschossen hat. Die beiden hätten schon seit Wochen schrecklich gestritten, behaupteten die Nachbarn. Ich will mich jetzt hier nicht fragen, inwiefern es der Wahrheitsfindung dient, dass der Arbeitgeber in der Zeitung genannt wird. Ich will auch das Wort Migrationshintergrund nicht benutzen. Vielmehr: Ich mache mir Sorgen. Gegenüber unserer Hauszeile streitet seit mehreren Wochen ein Paar. Seit es so warm ist, tun sie es netterweise bei offenem Fenster, so dass man wenigstens mitbekommt, worum es geht: „Was habe ich denn getan, Schatz. Das ist doch nicht so schlimm, Schatz. Schrei mich nicht so an, Schatz.“
Vorgestern offenbarte sich dann die Wahrheit, wie sie es oft ganz nebenbei tut.
„Aber was habe ich denn gemacht, Schatz“
„Du bist ja wie ein eifersüchtiger Ehemann, genau das was ich nie wollte.“
„Sag das bitte nicht Schatz, tu mir das nicht an Schatz, lass uns wieder gut sein, Schatz.“

So geht das immer eine ganze Weile und die beiden werden immer lauter. Irgendwann schließen sie die Fenster, weil sie merken, dass die Nachbarschaft ihr Drama gierig aufsaugt. Schlagen sie sich dann? Oder haben sie Sex??
Egal, jetzt mache ich mir Sorgen, dass sie sich irgendwann erschießen.
„Das machen Frauen nicht, das machen nur Männer“, beruhigte mich Bettina.
„Frauen vergiften sich“, entsetzte mich Jens.
To be continued

Lister Blicke: Fahne hissen

Deutschland Gestern beim Finale von GNTM war eine merkwürdige Stimmung im Camp. Außer Ecksteins saß niemand draußen. Dinah, unsere Nachbarin von rechts hatte offen zugegeben, dass sie das Finale sieht. Arnima, die Nachbarin von links versuchte zunächst zu leugnen, bis Bettina sie durch geschicktes Nachfragen überführte. Diese bildungsbürgerliche Tümelei ist wohl typisch Lister blicklich. In unserer Zeile hängt auch noch keine Fahne, dabei ist Sonntag das erste Spiel. Heute Abend werde ich hissen, dann bin ich wahrscheinlich der Atelierblickproll.

Mittwoch, 12. März 2008

Wenn der Mainstream zweimal klingelt: die Waage

Sense Neulich Abend im Bad beim Zähneputzen und Ohrenbohren hörte ich plötzlich eine dumpfe bekannte Stimme hinter mir:

„Na mein Lieber, was machen wir denn da?“

Da war er wieder: die hagere, alterslose Gestalt im schwarzen Mantel, eher ein Schädel als ein Kopf, Kälte und Modergeruch verströmend, eine Sanduhr in der linken Hand sass er in unserer Badewanne, in der rechten spielte er mit unserem Plastikhummer, seine Sense lehnte an der Duschkabine. Nein, es war nicht der Tod, es war sein kleiner Bruder, der Mainstream: Die Mitte der Gesellschaft, der Durchschnitt, Otto Normalzuschauer. Das Gegenteil von Freiheit, Abenteuer, Überraschung, Kreativität. Das Ende des wirklichen Lebens also.

Der Mainstream grinste mich mit seinen weißen Zähnen an und deutete mit seinen knochigen Finger auf die Waage auf der ich stand: „Was machst du denn auf einer Personenwaage, wieso gibt es in deinem Haushalt überhaupt eine, das war doch noch nie da. Und ich denke du wiegst sowieso immer 88 Kilo.“

Ich weiß auch nicht wie es kam, aber ich stand auf der neuen Waage, die sich meine Frau für ihren Metabolic-Balance-Fresszirkus angeschafft hat. Sie zeigt neben allen möglichen anderen Dingen auch das Gewicht an.

„Es dauert mindestens genauso lange abzunehmen, wie es dauert zuzunehmen“, nuschelte der Mainstream mit so einem Bauch bist du heute Unterschicht, sagt die neue Verzehrstudie vom Bundesernährungsminister.“

Abnehmen, Verzehrstudie. Was ist das überhaupt für ein Name. Es geht doch um Essen, um Genuss, um Sinnlichkeit. Verzehrt euch doch selbst!

„Tja“, fuhr der Alte fort. „Dein Vater hatte ja auch einen Bauch, damals war das aber okay, Männer hatten einen Bauch und wurden trotzdem geliebt und begehrt. Vielleicht sogar deshalb. Heute gibt es diesen Schlankheitswahn, der ist mainstream und du warst immer derjenige, der sich dem nicht gebeugt hat. Jetzt das.“ Damit wies er auf meine traurige Gestalt, die nackt auf einer Designerwaage stand. Ich ging ins Schlafzimmer, vor dem Schlafzimmerspiegel war ich eindeutig Unterschicht. Vor dem Flurspiegel war es besser, wenn ich die Bauchmuskeln anspannte ging es sogar. Was solls, jeder Zweite auf der Strasse ist irgendwie dicklich. Wie war das nur gekommen? Mehr Alkohol als früher hatte ich auch nicht getrunken. Auch nicht mehr gegessen, wobei, man merkt sich ja nicht alles…

Als ich ins Bad zurückkam, sass der Alte immer noch da: “Du bist ein Mann, Männer mögen Essen und Wein, beides möglichst vorm Fernseher. Richtige Männer essen kein Vollkornbrot. Gehen auch nicht ins Fitnesscenter. Ein Mann ist ein Mann, wenn er nicht über sein Gewicht spricht.“

„Ich habe keinen Ton gesagt“, warf ich ein.

„Aber bist hier rumgelaufen wie ein angestochenes Hühnchen, außerdem kann ich Gedanken lesen.“

Stimmte ja, der Alte kannte ja außerdem auch meinen Vater, er war ja nicht irgendwer.

„Wenn ich dich bei einer Brigitte-Diät oder beim Joggen erwische, nehme ich dich mit“, mit diesen Worten flog er durch das Badezimmerfenster raus, ich schmiß ihm noch seine verdammte Sense hinterher.

Seit vierzehn Tagen verzichte ich schweigend auf alles Überflüssige wie Alkohol und Süßigkeiten, the old school way eben – Fasten vor der Osterzeit.

Dienstag, 04. März 2008

Texte, die mich anschreien. In der Sauna

Sauna_ueberuns Seit September wohnen wir im hannoverschen Lister Blick, das Nordostbad mit einem akzeptablen Saunabereich ist fußläufig zu erreichen. Letzte Woche habe ich es zum ersten Mal geschafft, drei erholsame Stunden dort zu verbringen. Doch so richtig zur Ruhe kam ich denn doch nicht: zuviel Text dort.

„Bitte beachten Sie das Ruhebedürfnis“

Was will mir dieses Schild in der Sauna eigentlich sagen? Ich blickte mich um, sass das Ruhebedürfnis irgendwo, so dass ich es beachten könnte? Nein, nur Nackte. „Achten Sie das Ruhebedürfnis“ hätte ich schon eher verstanden. „Schnauze!“ wäre klarer und auch zielgruppenorientierter gewesen.

„Kein Schweiß auf Holz“,

Sehr kryptisch, soll ich meinen Schweiß auf den Boden schleudern? Oder in den Saunaofen?? Und nie ist mir aufgefallen, wie schwach dieser Appell ohne das Ausrufezeichen (!) daherkommt.

„Bitte vermeiden Sie Körperkontakt, der falsch interpretiert werden könnte“

Ja was denn? Welcher Körperkontakt, den ich in der Sauna begehe, könnte denn wie falsch interpretiert werden? Den würde man doch immer richtig interpretieren, oder?

Und im Übrigen: In der Sauna, wer macht denn so was, ist doch viel zu warm?

Samstag, 23. Februar 2008

Klimawandel und Frühjahrsputz

Lister_blick Meine Frau versucht ja jetzt wo wir ein Haus haben, mich ständig zum dran arbeiten zu bewegen. Mit Mühe und Not konnte ich es ihr ausreden, so wie die Nachbarn schon jetzt Bäume und Sträucher zu pflanzen und Fahrradstangen zu installieren. Es ist wie verhext, sowie ein Nachbar seinen Gärtnerdress anzieht, glauben alle anderen auch, sofort kranbhaft aktiv werden zu müssen. Mich lässt das ja kalt. So konnte ich ihr klarmachen, dass es bis April noch Frost geben könne und beruhigte sie letztlich damit,. dass ich auf der Pflanzenbestellung „Lieferzeit Ende März“ ankreuzte. Eventuell habe ich jetzt noch fünf Wochen Ruhe. Letztes Wochenende kam dann der ultimative Angriff. Einen Vorteil habe diese Klimaerwärmung:, man könne den Frühjahrsputz jetzt doch im Februar durchführen, meinte sie. Seit unsere Putzfrau Magdalena in ihre polnische Heimat zurückgekehrt ist und uns mit dem Haus alleine zurück ließ, liegen die Nerven sowieso schon blank. Ich suche seit Samstag nach der ultimativen Ausrede und habe zur Beruhigung abends erstmal eine Liechtensteiner Flagge auf der Terrasse verbrannt.

Freitag, 25. Januar 2008

Wenn der Mainstream zweimal klingelt: Neulich Abend an der Biotonne

Als ich neulich Abend nochmal zur Biotonne ging, da kam er aus Richtung Gudrun und Andi: eine hagere, alterslose Gestalt im schwarzen Mantel, eher ein Schädel als ein Kopf, Kälte und Modergeruch verströmend, eine Sanduhr in der linken Hand und - tatsächlich! - eine lange Sense in der Rechten. Die Sense ließ er auf dem Boden schleifen, es gab ein Geräusch, als ob man mit langen Fingernägeln auf einer Tafel kratzt.

Nein, es war nicht der Tod, es war sein kleiner Bruder, der Mainstream: Die Mitte der Gesellschaft, der Durchschnitt, Otto Normalzuschauer. Das Gegenteil von Freiheit, Abenteuer, Überraschung, Kreativität. Das Ende des wirklichen Lebens also. Der Mainstream grinste mich mit seinen weißen Zähnen an und deutete mit seinen knochigen Finger auf unser Haus:

„Na mein Lieber, trennen wir brav den Müll? Nett das , mein Lieber: Reihenhaus im Lister Blick, Vollholzküche, Dachterrasse, Carport, Gartenhäuschen, Terrassendecks aus Tropenholz.“

Ich wurde blaß. Der Mainstream war schon zweimal bei mir gewesen und wollte mich holen. Beide Male konnte ich ihn geschickt davon überzeugen, dass ich denn doch noch nicht zum Mainstream gehöre. Wie sollte ich das jetzt wieder schaffen?

„Habe gehört, du willst dir ein neues Auto kaufen?“

Woher wusste der das schon wieder?

„Ich beobachte dich, wie du beim Porschehändler durch die Scheiben peilst, oder neulich bei Audi in Wülfel“

Sense „Naja, das mit dem Porsche dauert noch etwas, erstmal müssen die Kinder groß werden. Träume haben wir ja alle, du weißt schon.“

„Jaja ist okay, aber Junge: Audi, das ist schon sehr bedenklich.“ „Wieso?“ „Das müsstest du doch wissen, TNS Infratest hat gerade eine Umfrage gemacht. VW, Audi und Mercedes sind die beliebtesten Automarken der Deutschen, der Audi A4 ist das beliebteste Auto. Damit bist du so richtig Mainstream.“

„Naja, noch ist ja nichts bestellt“, versuchte ich abzulenken.

„Okay mein Lieber, ich beobachte deinen weiteren Niedergang. Denk immer dran, wenn du einen kalten Hauch im Nacken spürst, dann stehe ich hinter dir. Wenn du in der Wahlkabine Wulff wählst, wenn du Klimaabgabe für die Canaren zahlst, wenn du dir deine Augeneckenfalten weglasern lässt…“

Er schwang seine Sense und ich dachte mein letztes Stündlein sei geschlagen. Doch dann war er einfach verschwunden und hinterließ einen merkwürdigen Staub, der im kalten Schimmer unserer Energiesparaussenleuchte zu Boden rieselte.

Mehr vom Mainstream:

http://nordlichtblog.blogs.com/hirnstromblog/2006/11/wenn_der_mainst.html

Donnerstag, 29. November 2007

Müll-Odyssee

Biomuell In der Calenberger Neustadt habe ich noch einigermaßen durchgeblickt, da hatten wir keine Biotonne. Jetzt ist es richtig kompliziert. Altpapier, Biomüll, gelber Sack und natürlich die gute alte Restmülltonne. Damit die Zuordnung der unterschiedlichen Materialien zur richtigen Müllsorte auch tatsächlich stimmt, muss man entweder über hervorragende Kenntnisse der Rohstoffe dieser Erde verfügen oder aber eine sehr gute Beobachtungsgabe im nachbarschaftlichen Umfeld besitzen.

Mir erschließt sich nämlich nicht, wieso Rasenschnitt nicht in die Biotonne, sondern in den Restmüll gehört. Ist Rasen nicht Bio? Und eine Odyssee hatte ich mit aussortierten Kompaktkassetten. Wir erinnern uns: das waren wichtige Tonträger in den 70-er bis 90-er Jahren. Ich packte sie in gelbe Säcke und trug sie zur Wegkreuzung. Weil der Gelbe-Sack-Müllwagen angeblich nicht durch unsere Strasse passt, müssen wir unsere Säcke immer zur nächsten Kreuzung schleppen. Der Rest- und Biomüllwagen hingegen passt durch, obwohl es das gleiche (nicht das selbe) Fahrzeug ist. Wieder so etwas was sich mir nicht erschließt. Da ich seit unserem Umzug jeden Samstag zum Wertstofflager pilgere, nahm ich letzte Woche die Kassetten einfach mal mit. Ich fragte dort ein oranges Männchen, in welchen der zahllosen Container ich diesen „Sondermüll“, denn dafür hielt ich es, entsorgen dürfe. Mit sandiger Stimme teilte dieser mir mit, ich könne die Kassetten dalassen, müsste dann aber für die Entsorgung bezahlen. Warum ich sie nicht einfach daheim in die schwarze Restmülltonne schmeißen würde? – Was ich dann auch daheim staunend tat.

Wie war ich übrigens auf das Wertstoffsammellager gekommen war, auch dazu gibt es eine Geschichte: Wie gesagt, ich verlasse mich gerne auf die Nachbarn, weil ich denke, dass sie (im Gegensatz zu mir) die Müllbroschüre verstanden haben. Kurz nach unserem Einzug entdeckte ich in der Nachbarschaft umtriebige Geschäftigkeit. Allerlei Bretter, Bettgestelle und alte Lampenschirme wurden auf den Gehweg gestellt. Ein untrügliches Zeichen: Sperrmüllzeit. Das kannte ich noch von früher, da hieß der Sperrmülltag übrigens noch „türkischer Feiertag“. Das geht heute wegen political correctness natürlich gar nicht mehr. Diesmal also Sperrmüll. Voller Panik erblickte ich die Bretter meiner Nachbarn, die mich an diverse Stücke überflüssigen Mobiliars im Haus erinnerten. Spät am Abend schleppte ich den ausrangierten Hausrat auf die Straße. Sehr früh am Morgen hörte ich das Müllauto und war froh, alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitgelegt zu haben. Als ich zwei Stunden später die Zeitung aus dem Briefkasten holte, stellte ich verwirrt fest, dass mein gesamter Müll immer noch an der Gartenmauer lehnte, der Müll meiner Nachbarn aber verschwunden war. Die kommen bestimmt wieder, dachte ich. Irgendwann muss das Müllauto schließlich geleert werden. Doch an diesem Tage wie auch in den kommenden Tagen kam kein Müllauto wieder. Ich kam zu der Erkenntnis, dass es sich wohl nicht um Sperrmüll, sondern um einen Umzug handelte… Nach eingehendem Studium der kleinen Müllbroschüre stellte ich dann fest, dass es eine Wertsoffsammelstelle in der Nähe gibt, die Samstags am Vormittag geöffnet ist.

Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Dienstag, 27. November 2007

Lister Blicke verändern die Sicht

Img_2842 Dass sich mein Leben durch den Umzug in ein Haus ändern würde, das war mir klar. Aber dass es in Bereiche hineingehen würde, an die ich nie gedacht hätte…
Zum Beispiel sind zwei Rubriken auf dem Hirnstromblog in Gefahr:
Die Stadtbahngeschichten http://nordlichtblog.blogs.com/hirnstromblog/alltagswahnsinn_in_der_stadtbahn/index.html
Ich fahre jetzt morgens mit dem Bus vier Stationen. Das reicht nicht mehr zum taz-Lesen und im Bus fahren eindeutig mehr Bürgerliche, Individuen wie Lord Nelson, Dr. Chrisp oder Mupfegard Ziesebein findet man hier nicht mehr.
Und mit den Calenberger Nächten ist es eben auch vorbei. Keine Geschichten mehr von unseren Nachbarn Sybylle und Holgi, Liberatsche und seinen Weibern, von Mehsud dem Gemüsehändler, unserem Nachbarn Holger, dem die Freundin wegen eines Porschefahrers abhanden gekommen ist oder vom nächtens schreienden Anwalt…
http://nordlichtblog.blogs.com/hirnstromblog/calenberger_nchte/index.html
Tja, und für meinen Lieblingsfrisör sehe ich auch schwarz: Die Filiale an der Oper ist jetzt einfach zu weit weg, also werde ich in Zukunft wohl die in der Lister Meile frequentieren. Dann sehe ich ihn einfach seltener.
http://nordlichtblog.blogs.com/hirnstromblog/mein_lieblingsfrisr_und_ich/index.html

Freitag, 19. Oktober 2007

Carport-Frust

Banner_street Beim Hausbau erlebt man ja so einiges. Aktuelles Thema bei uns ist gerade der Carport. Ohne uns zu fragen wurde uns ein Carport gebaut, der es uns nur unter akrobatischen Anstrengungen möglich macht, ein- und auszuparken. Beim ersten Mal habe ich auch prompt einen Außenspiegel umgeklappt und beim zweiten Mal einen schönen Kratzer in die Fahrertür gemacht. Immer unter den Blicken der lieben Nachbarschaft. Mittlerweile klappt es unfallfrei, aber man muss ausgeruht, und absolut restalkoholfrei sein und Kind und Frau des Herzens dürfen mich nicht mit Konversation belästigen.

Der Carport ist noch nicht bezahlt von daher sehe ich gelassen einem Rechtsstreit entgegen. Vielmehr Sorgen macht mir Folgendes: Bei der Planung des Neuwagenkaufs im nächsten Jahr werde ich wohl mit den Grundrisszeichnungen durch die Autohäuser wandeln, nach dem Motto: „Das ist mein Carport, dazu passend brauche ich ein Auto.“ Wird wohl ein Cinquecento werden oder irgendein Armeefahrzeug a la Schützenpanzer Luchs, der auf der Stelle drehen kann. Leider ist der Luchs schon wieder zu hoch für das Bauwerk.

Der Luchs würde mir übrigens auch die lästigen Nachbarn vom Halse halten, die jetzt immer an die Fenster stürmen, wenn ich nach Hause komme („Da fährt der Windus in sein Carport, mal sehen, was jetzt kaputt geht“).
Und meine lieben Kollegen googeln jeden Tag durch Youtube weil sie auf ein Nachbarvideo meiner Einparkversuche warten…
Wer den Schaden hat…

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Der Nachbar zur Rechten oder auch: „Nur geträumt“

Puzzle Gestern sah ich zum ersten Mal bewusst unseren Nachbarn zur Rechten. Während ich mit Lucie mittels Kreide unsere Strasse verschönerte, trat er hinaus und machte sich an der Hauswand zu schaffen.

Ich weiß nicht s von ihm, er sieht aus als ob er im Katasteramt einen Haufen wichtiger Pläne verwaltet - aber sonst? Kenne ich seine Lieblingskäsesorte? Weiß ich, welche drei Platten er mitnähme auf eine einsame Insel? Nö. - Ich erinnerte mich an eine Nachbaren-Figur in T.C. Boyles Roman "Worlds End", die mit Genuss Kellerdreck verspeist, und hielt es für ratsam, ihn nicht aufzuschrecken. Aber ich entschied mich doch wieder anders, Ich ,musste mehr erfahren. So nahm das Schicksal seinen Lauf.

Und da ich annahm, dass er eine Außenleuchte montieren wollte, sprach ich: „Das muss ich auch noch machen, die liegt schon seit drei Wochen bei uns rum…“ "O, guten Abend!", sagte er, "haben Sie zufällig St. Antons Ohrläppchen gesehen?" - "Was?", sagte ich. "So groß ungefähr", sagte er. Er zeigte mit den Fingern die Größe eines Ohrläppchens, und ich schluckte. Was hatte dieser Mensch für eine bizarre Passion? Stahl er die Ohrläppchen von Heiligen aus Reliquienschreinen, "Quatsch!", dachte ich, "du liest zu viele Krimis!" Dann sagte ich "Nein, tut mir leid!" und folgte seiner Aufforderung einzutreten. "Es ist zum Verzweifeln", seufzte er. "Vielleicht ist es eine blöde Frage", redete ich drauflos, "aber was haben Sie mit dem Ohrläppchen eines Heiligen zu tun?" "O", sagte er, "kommen Sie, ich zeig es Ihnen!" Er fasste mich am Arm und schob mich in sein Wohnzimmer. Jäh brach mir der Schweiß aus. War ich denn wahnsinnig geworden? Jetzt konnte ich diesem gewiss bärenstarken Riesen nicht mehr entkommen, gleich würde er mich in sein Badezimmer schubsen, abmurksen, zerstückeln und dann im Verlauf der nächsten Monate mit dem Biomüll entsorgen! Ich taumelte, schwankte und … "Bitte!", rief er plötzlich. Wir standen in seinem Wohnzimmer. Nirgendwo waren Mordwerkzeuge oder chirurgische Sägen zu sehen. Dafür waren die Wände vollgehängt mit - Puzzles! Großen, zusammengeklebten Puzzles von Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Auf dem Tisch lag seine letzte Arbeit: Ein Puzzle von Dalís "Versuchung des heiligen Antonius", in dem noch genau ein Teil fehlte. "Sehen Sie?", sagte er. Ich fragte: "Aber wie soll das Teil vor ihre Haustür gelangt sein?" - "Was weiß ich", krächzte er, "manchmal legen die Dinge die seltsamsten Wege zurück. Fest steht, dass es vor ein paar Tagen noch da war und ich hier alles durchstöbert habe." - "Hm", machte ich, spähte hier unter die Teppichfransen und dort in einen Blumentopf, zuckte schließlich die Schultern, wünschte ihm noch viel Glück und ließ ihn allein zurück. Später, als ich schlafen gehen wollte, purzelte etwas aus meiner Hosentasche. Es war ein Puzzleteil, und ich lag noch lange wach und fragte mich, ob es tatsächlich durch einen haarsträubenden Zufall dorthin gelangt sein mochte oder doch eher der Nachbar dahintersteckte - ein harmlos scheinender Puzzlespieler, der nur darauf wartete, dass ich noch einmal bei ihm klingelte und er endlich seine nagelneue Chirurgensäge ausprobieren könnte.

Samstag, 25. August 2007

I had a dream…

Blumenm  … ich besuche Familie Windus-Dörr in ihrem neuen Heim im Lister Blick. Da das Navigationssystem meines Autos defekt ist und der „Atelierblick“ in meinem Stadtplan von 1979 noch nicht eingezeichnet ist, wandert mein Blick unruhig durch die Windschutzscheibe, an der Wegkreuzung steht ein verfallenes Jugendzentrum, "Todesstrafe für Kinderschänder" hat einer auf die halb herausgebrochene Tür gesprüht. Hinter dem Bauwagen links geht ein befestigter Weg in die Siedlung. Die Straßen heißen hier „Neue Sachlichkeit“ oder „Bauhausweg“, ich kurbele die Scheibe herunter, ein Hauch von akademischem Mittelbau weht mir entgegen. Auf der rechten Seite wehren die Gartenzäune von Atriumbungalows alle Blicke ab, links sitzen die Bewohner der zweistöckigen Reihenhäuser auf handgedrechselten Holzbänken vor ihren Häusern und beobachten mich misstrauisch über die Ränder ihrer getönten Brillen hinweg, Horden von Kindern hetzen ihre Bobbycars gröhlend durch die Vorgärten.

Die winkende Stechmückenwolke im Garten der Nummer 55 ist mein alter Freund Thorsten. Um ihn herum stehen die Reste umfangreicher Renovierungsarbeiten. "Ich habe mir das Knie ausgerenkt, weil ich die Schaukel aufgehängt habe ", sagt er gut gelaunt. Aus dem Haus kommen dumpfe, regelmäßige Patsch-Geräusche. "Bettina schlägt Fliegen tot", erläutert er. Der milde Winter und der feuchte Sommer haben dazu geführt, dass der nur einen Steinwurf entfernte Mittellandkanal Unmengen von Insektenlarven ausbrüten konnte.

Wir gehen zum nahe gelegenen Kanal und schleppen Decken, Taschen, Kinderspielzeug und Esspakete kilometerweit, um eine "besonders schöne Stelle" zu finden. Mein alter Freund schmeißt seine Familie jauchzend ins Wasser. Ihre Beinarbeit wirbelt den schlammigen Boden auf, faulige Blätter und verrottende Ästchen kleben an ihren Füßen. Ich bleibe draußen und vermische auf meiner Haut Autan mit Sonnenmilch zu einer klebrigen Emulsion. "Komm rein!", schreien sie. Aber ich war schon mal am Loch Ness und betrete keine Gewässer mit nicht sichtbaren Bodenfliesen.

Wir fahren zurück und bereiten einen Kartoffelsalat vor, denn am Abend kommen die Nachbarn aus dem „Camp“, wie die Siedlung Lister Blick liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird. Um 19 Uhr bringt das tiefbraune Ehepaar von rechts einen kunstvoll geflochtenen Knoblauchzopf, um 19.15 Uhr kommen Alex und Alexa von gegenüber mit einem Trockenblumenstrauß und einer Flasche Dompfaff. Mein alter Freund Thorsten hat ein Mini-Bierfass gekauft, auf dem zwei dicke Männer sich zuprosten, ich führe diese ästhetische Verfehlung auf zu viele Mückenstiche im Gehirn zurück. Um 20 Uhr weht Grillanzünderduft durch die Gärten und eine Rauchwolke trübt den Lister Blick, fertig eingelegte Steaks von traurigen Schweinen brutzeln. Um 22 Uhr sind sämtliche Taschentücher mit meinem Heuschnupfen voll, und ich verabschiede mich. Hinter meinem Auto steht ein Merzedes-Geländewagen mit der Aufschrift "Leben und leben lassen" über dem Konterfei eines Fiat 500.

"Ist es nicht herrlich hier?", fragt mein alter Freund, der mich zum Wagen bringt, sein Knie ist angeschwollen. "Hmpf", sage ich. "Na ja, ich bin in so einer Siedlung großgeworden, und in eine Altbauwohnung in der Innenstadt geflüchtet.“ Müde lächelnd winkt mir Thorsten hinterher, ich gebe Gas und biege in die Podbielskistrasse stadteinwärts, eine Stadtbahn kommt quietschend um die Ecke, ein Binnenschiff mit Schrott tuckert den Kanal runter… und irgendwo kotzt ein Pferd alles voll.

Montag, 30. Juli 2007

Chinesen trinken unsere Milch weg

Chinesenschwimmen Die Chinesen haben ihre Lust für Milch und deren Produkte entdeckt. Deshalb werden für uns Milch, Käse, Butter, Jogurt und Quark teurer. Und zwar happig.

Als Einzelnachricht würde uns das kalt lassen, aber am Donnerstag letzte Woche bekamen wir die Nachricht, dass das ursprünglich für unsere beiden Terrassen geplante Holz Robinie, eine europäische Sorte, nicht mehr lieferbar sein soll. In der Wochenendzeitung muss ich dann lesen, dass die Chinesen die Europäischen Hölzer aufkaufen, am liebsten Eiche und Robinie. Toll, während die Chinesen sich also ihre Terrassen mit deutsche Eiche pflastern und mit Robinien-Zahnstochern das Hundefleisch aus den Zähnen polken, müssen wir südamerikanische Tropenhölzer kaufen und ein schlechtes Gewissen haben. Ist das die Globalisierung?

Montag, 02. April 2007

Bürger protestieren gegen Senioren

Vögelsen (lni). Gegen den Bau von Häusern für Senioren-Wohngemeinschaften protestiert in Vögelsen bei Lüneburg eine Bürgerinitiative. Die Anwohner der als Baugrund vorgesehenen Wiese fürchteten unter anderem eine zu dichte Bebauung, eine Wertminderung ihrer Immobilien und Konflikte zwischen Älteren und Jugendlichen im Viertel, sagte Heinz Fricke, Bürgermeister von Vögelsen. In einem Brief der Initiative an den Bauausschuss ist von „einem sozial unverträglichen Projekt“ die Rede. „Wir möchten
auch kein ,Versuchsbaugebiet‘ sein“, heißt es weiter. „Es gibt in der ganzen Bundesrepublik noch keinen Fall, wo sich Anwohner gegen ein solches Wohnprojekt gewehrt haben“, sagt Ulrich Thomsen. „Das ist schon ein bisschen heftig.“ Er ist Vorsitzender des Vereins Mehr Leben Wohnprojekte Lüneburg, der die Planungen für die Wiese begleitet. In die Wohngemeinschaften sollen Menschen über 50 einziehen, die ihren Lebensabend gemeinsam gestalten wollen. Ein Vorteil einer solchen WG ist die Zusicherung, sich zum Beispiel im Fall von Krankheit gegenseitig zu helfen. Die Planungen sehen 26 bis 30 Wohnungen in rund einem Dutzend eingeschossiger Häuser vor. Nach eigenen Angaben wehrt sich die rund 70 Mitglieder starke Bürgerinitiative nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung der Wiese. Diese solle sich aber der „umliegenden Bebauung anpassen“. Dass dort Häuser errichtet werden, steht außer Frage. Die Gemeinde hat das Grundstück als Bauland erworben.
(HAZ, Niedersachsen, 30.03.07, S.13)

da habe ich ja Glück, dass ich mich im Alter von 48 zum Bau im Lister Blick entschieden habe. Zwei Jahre später hätten die Jüngeren womöglich eine BU gegen mich aufgemacht...

Donnerstag, 01. März 2007

Aussterbende Tierarten: Die Glühbirne

Kkw Angesichts der aktuellen Glühbirnen-Debatte (die werden ja wohl bald aussterben) bin ich gestern mal pflichtschuldig durch die Wohnung getapert: Tatsächlich haben wir noch vier Lampen im Haus, die mit herkömmlichen Glühbirnen bestückt sind. Drei davon werde ich natürlich baldigst gegen Energiesparer austauschen um unsere katastrophale CO2-Bilanz aufzupolieren und als echter Gutmensch in den Lister Blick einzuziehen. Bei der vierten gibt es keine Wahl: Es handelt sich um eine Lampe, die in Lucies Zimmer kleine Fische und ähnliches an die Wand projiziert, hier werden die 95 Prozent Wärmeenergie sinnvoll gebraucht. Dabei fiel mir aber etwas ganz anderes auf: In meiner Schreibtlischlampe befindet sich noch ein Energiesparbirnenfossil, das an die 20 Jahre alt sein dürfte. Ich habe das Teil gekauft, als ich noch als freier Journalist nächtelang an Texten feilte. Das Ding sieht eher aus wie irgendein Kolben fürs Auto und kostete damals 30 Mark und braucht fast fünf Minuten, bis sie ihre volle 11 Watt Lichtstärke entfaltet. Aber immerhin, sie arbeitet immer noch!

Dienstag, 12. Dezember 2006

Lister Blicke: Laub harken

Harke Man hört den Herbst heutzutage viel besser als dass man ihn sieht. Vor einigen Jahren noch dachte ich „welcher Idiot“ mäht denn morgens um sechs den Rasen und habe mich bei der Stadt beschwert. Bis mir dann mal morgens ein oranger Hausmeister mit umgehängtem Staubsauger entgegenkam und alle Blätter vor sich hertrieb wie ein Schäfer seine Herde. Mit infernalischem Lärm und unter einer aufgewirbelten Wolke von Dreck bog er wieder um die Ecke.
Klar, es war natürlich kein Staubsauger, sondern eher das Gegenteil. Aber wie heißen die Dinger? Blätterbläser?
Mein Lieblingsfrisör meinte,. Dass das Ding wahrscheinlich „Kärcher Herbststurm XX3500“ heißen würde. Eine schwäbische Erfindung wie der Dampfstrahler, die sogar in die französische Sprache einging („je vais te kärcher“).
Inzwischen gehören die Laubbläser zu unseren typischen Herbstgeräuschen: Irgendwann wenn die ersten Blätter von den Bäumen purzeln, dann kommen die orangen Männchen mit ihren Ohrenschützern und pusten alles weg, was sich nicht genug festhalten kann.
Mein Lieblingsfrisör erzählte mir, dass ihm bei seinem letzten Schweizurlaub im Wald ein Laubbläser entgegengekommen sei. Man bedenke: Im Wald Laub fegen?äh: blasen.
Auf seine Nachfrage erzählte man ihm ,dass man Asylbewerber mit dieser Aufgabe betraue, damit sie sinnvoll beschäftigt sind.
Seitdem träume ich von einem afrikanischen Dorf, wo vor der Rundhütte der Mann nach seiner Rückkehr aus Europa erzählt.- Seine Stammesbrüder biegen sich vor Lachen und einer sagt: „Makumba, erzähle doch noch mal die Geschichte vom Laubblasen im Wald in der Schweiz.“ Makumba erzählt seine Geschichte und ein kleiner Junge fragt ihn anschließend: „Makumba, musstest du in Europa auch das Meer ausschöpfen?“
Makumba wird dann wahrscheinlich verneinen, aber erzählen, dass man in Europa nichts mehr mit den eigenen Händen machen kann, sondern immer nur auf irgendwelche Schalter und Knöpfe drückt. Selbst fürs Brot braucht man eine Schneidemaschine…
Irgendwie hat Macumba ja Recht. Für unser Haus im Lister Blick kaufe ich mir einen Reisigbesen. Das „scht scht scht“ des Besens ist so ein beruhigendes Geräusch.

Juli 2009

Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
Blog powered by TypePad